Siemens Dialog
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15.08.2020, 09:08 Uhr

Bad Neustadt: positive Bilanz

  • 09.06.2011
  • Operativ

Vor gut einem Jahr vereinbarten Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite nach einer harten Auseinandersetzung einen Interessenausgleich zu den damaligen Umstrukturierungsplänen bei Siemens Industry in Bad Neustadt. Bei Betriebsversammlungen am 7. Juni blickte der Betriebsrat zurück und konnte eine positive Bilanz ziehen - der monatelange Widerstand hat sich gelohnt.

Der Konflikt um den geplanten Abbau von rund 850 Stellen und die Schließung von Betriebsteilen hatte mit dem Engagement der ganzen Region Rhön-Grabfeld eine neue Qualität gewonnen. Das selbe gilt für den aus ihm resultierenden Interessenausgleich, der durch Gesamtbetriebsrat und Wirtschaftsausschuss begleitet wird und sich an inhaltlichen Meilensteinen für die Umsetzung orientiert.

Kahlschlagpläne …

Im Januar 2010 hatte Siemens zeitnah zur Bekanntgabe von Rekordergebnissen eine Restrukturierung angekündigt, in deren Zuge bis zum Jahr 2010 840 Stellen in Bad Neustadt gestrichen und der Teilstandort Siemensstraße geschlossen werden sollte. Gleichzeitig sollte eine Reihe von Produkten und Technologien abgezogen und an den tschechischen Schwesterstandort Mohelnice verlagert werden. Aus Sicht der IG Metall und der Betriebsräte hätten diese Pläne langfristig zur Schließung des ganzen Standorts führen können (siehe 2.000 Stellen bei Industry im Visier).

… und massiver Widerstand

Die IG Metall und die Betriebsräte mobilisierten angesichts dieser Pläne innerhalb kürzester Zeit erst die betroffene Belegschaft, dann eine rasant wachsende Menge von Bürgern, Politikern und Organisationen in der ganzen Region. Eine Vielzahl von Protestkundgebungen und anderen Aktionen unterstützte die Verhandlungen, so dass im Mai 2010 schließlich ein Interessenausgleich als akzeptabler Kompromiss entstand (siehe Interessenausgleich bei Industry in Bad Neustadt).

Tragfähiger Kompromiss erfolgreich umgesetzt

In diesem Ausgleich wurde der Standort Bad Neustadt abgesichert und eine Mindeststärke der Belegschaft nach dem Umbau von 1.600 Beschäftigten festgelegt. Außerdem wurde die Förderung innovativer Produkte und Technologien unter Einbindung des am Standort verfügbaren Know Hows der Beschäftigten sowie ein Ergänzungstarifvertrag zur Flexibilisierung vereinbart.

Ein Jahr später und nach zwei Revisionsterminen, bei denen die Mindestbeschäftigtenzahl angehoben wurde, stellt sich die Umsetzung des Interessenausgleichs unter dem Strich als Erfolg dar. Der Stellenab- beziehungsweise umbau konnte ohne Entlassungen realisiert werden; die Verlagerung der dafür vorgesehenen Produkte nach Mohelnice ist ebenfalls ohne Entlassungen bereits erfolgt, während gleichzeitig neue Linien aufgebaut worden sind.

Die Auseinandersetzung hat sich gelohnt

Der Betriebsratsvorsitzende Bernhard Omert fasst den aktuellen Sachstand zusammen: „Die Auseinandersetzung und unser Widerstand haben sich gelohnt, der Stellenabbau ist gestoppt. Jetzt müssen wir sehen, ob mit zukunftsweisenden innovativen Techniken neue Stellen geschaffen werden können.“ Erste Anzeichen dafür gibt es bereits, gleichzeitig sorgt die anziehende Konjunktur für eine deutliche Zunahme der Beschäftigung mit einer guten Perspektive auch für das kommende Jahr.

Harald Kern, der die Entwicklung als Beauftragter des Gesamtbetriebsrates verfolgt, bewertet das Beispiel Bad Neustadts ebenfalls positiv: „Bad Neustadt hat gezeigt, dass es durchaus Alternativen zu Stellenabbau und Verlagerungen gibt. Nun gilt es die Chance zu nutzen, bei Innovationen und Investitionen und der strategischen Personalplanung den Prozess weiter zu begleiten, um den Standort langfristig zukunftsfähig zu machen.“

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