Bereits im Mai wurden erst IG Metall und Betriebsrat, im zweiten Schritt dann auch die betroffenen Beschäftigten bei Evosoft informiert, dass Siemens diese Software-Tochter mit knapp 400 Beschäftigten in Deutschland schließen will. Die verständlichen Reaktionen aus Verunsicherung und Kritik waren bei einer Betriebsversammlung am 17. Juni mit Händen zu greifen.
Die Nachricht von den Schließungsplänen kam umso überraschender, da Evosoft gerade von seinem bisherigen Sitz in Nürnberg auf den Erlanger Siemens Campus umzieht. Zur vor Ort und online gleichermaßen hervorragend besuchten hybriden Betriebsversammlung wurden die Beschäftigten in der Kantine auf der Siemenspromenade von einer Abordnung der anderen Campus-Betriebe empfangen. Erlangen G, Siemens Mobility und die Niederlassung Mittelfranken versicherten nachdrücklich ihre Solidarität und Unterstützung.
Durch Abwesenheit glänzte die Firmenseite, und dies gleichermaßen von Mutter Siemens und Tochter Evosoft. Scharfe Kritik daran in den Redebeiträgen wurde von der Versammlung mit viel Applaus quittiert - tatsächlich ist schwer nachzuvollziehen, warum im Zusammenhang mit derart schwerwiegenden Entscheidungen kein*e Manager*In die drängenden Fragen der Betroffenen vor Ort beantwortet.
Darum bemühten sich stattdessen der Betriebsrat mit seinem Vorsitzenden Christian Kraupner, die Vorsitzende des Konzernbetriebsrats Saskia Kraußer, sowie seitens der IG Metall deren erster Erlanger Bevollmächtigter Nick Heindl und Siemens Team-Leiter Hagen Reimer.
Neben vielen technischen Detailfragen ging es vor allem darum, wie die geplante Schließung ablaufen könnte, ob eventuell Alternativen denkbar wären, und wie sich die Beschäftigten selbst verhalten sollten und einbringen können. Vor allem letzteres ist in derartigen Situationen extrem wichtig, wie in allen Redebeiträgen betont wurde: Zwar kann die Arbeitnehmerseite unternehmerische Entscheidungen letztlich nicht kippen, wohl aber beeinflussen und vor allem in der Umsetzung wesentlich mitgestalten - wenn die Belegschaft dies möglichst geschlossen unterstützt.
Die Betriebsversammlung hat den ersten Schritt dazu sichtbar gemacht. Der Konzernbetriebsrat von Siemens hat mit dem örtlichen Betriebsrat eine Projektgruppe gebildet, die die bevorstehenden Verhandlungen mit der Unternehmensseite führen wird; die IG Metall steuert ihre Expertise und leider langjährige Erfahrung in diesen Dingen auch bei Siemens bei. Auf diese Weise entsteht eine Formation, die gemeinsam mit den Beschäftigten deren Interessen wirksam vertreten wird.