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20.06.2024, 05:06 Uhr

Knausern bei der Zukunft

  • 16.09.2009
  • Allgemein

Der neue Bildungsbericht der OECD wirft erneut ein trübes Licht auf Deutschland: Kaum ein Land investiert einen noch kleineren Teil seines Bruttosozialprodukts in die Bildung. Die OECD mahnt: "Wenn die Bundesrepublik gestärkt aus dieser Wirtschaftskrise hervorgehen will, dann ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, in Bildung und höhere Qualifikation zu investieren."

Ausgaben für Bildung (%/BIP; Quelle: OECD)

Die Bildungsdirektorin der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Barbara Ischinger, führte bei der Vorlage des weltweiten Bildungsberichts 2009 in Berlin mit Blick auf Deutschland aus, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: Bildung ist der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit und eine entscheidende Investition in die Zukunft eines Landes. Im <link http: www.oecd.org document _blank external-link-new-window oecd>OECDOECD-Vergleich geben nur die Türkei, die Slowakei, Spanien und Irland noch weniger für die Bildung aus als Deutschland (siehe Grafik). Der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) hierzulande beträgt magere 4,8 Prozent.

Bildungsinvestitionen auf dem Pannenstreifen

Darüber hinaus machen in anderen Industrieländern mehr junge Menschen einen Hochschulabschluss, gleichzeitig bilden sich mehr Ältere hochqualifizierter weiter. Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) konnte diese Kritik in ihrer Reaktion kaum entkräften; sie verwies auf die nach ihrer Darstellung erfolgreichen Reformanstrengungen der vergangenen Jahre und bekräftigte gleichzeitig erneut das grundsätzliche Ziel, die Bildungsausgaben bis 2015 auf zehn Prozent des BIP anzuheben. Letzteres klingt allerdings wenig überzeugend, da ähnliche Besserungsbeteuerungen in den vergangenen Jahren immer wieder ausgesprochen wurden; tatsächlich ist dieser Wert nicht nur erneut nicht angestiegen, sondern sogar leicht rückläufig - ein Armutszeugnis.

"Weckruf zur richtigen Zeit"

Der bildungs- und forschungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion unterstrich die Mahnungen der OECD-Studie und bezeichnete sie als "Weckruf zur richtigen Zeit in der deutschen Bildungspolitik", der den Handlungsbedarf in Bund, Ländern und Bildungseinrichtungen belege. Gleichzeitig wies er auf die soziale Selektion des deutschen Bildungssystems hin, das Kindern und Jugendlichen Zukunftschancen raube und dringend benötigte Fachkräftepotenziale verschwende.


 

<link http: www.oecd.org document _blank external-link-new-window oecd>OECDMitteilungen und weiteres Material der OECD zur Studie "Bildung auf einen Blick 2009"