Siemens Dialog
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21.05.2024, 18:05 Uhr

Qualität der Ausbildung langfristig sichern

  • 10.06.2010
  • Jugend

Im Mai schlossen der Gesamtbetriebsrat von Siemens und die Firmenseite eine Vereinbarung zur Neuordnung der Ausbildung im Unternehmen ab. Sie setzt in einigen Punkten Maßstäbe, weshalb das Berufsbildungsportal für IG Metall-Mitglieder ein Interview mit den Verantwortlichen auf der Arbeitnehmerseite führte. Sie bewerten die Vereinbarung als überragenden Erfolg - zu Recht, wie die Details zeigen.

Rüdiger Skrobarczyk und Bettina Haller

In dem Interview erläutern Bettina Haller, die Vorsitzende des Konzernbetriebsrats, und Rüdiger Skrobarczyk, Betriebsrat in der Niederlassung Hamburg und Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses des Gesamtbetriebsrats, die Vereinbarung.

Konzernweite Geltung

Es gibt eine neue Vereinbarung des Gesamtbetriebsrats mit Siemens zur Ausbildung. Was konntet ihr erreichen?

Bettina Haller: Im Zusammenhang mit der durch die Firma gewollten Neuordnung, sprich Konzentration der Ausbildung, ist es uns zum ersten Mal gelungen einen konzernübergreifenden Interessenausgleich herbeizuführen, der für alle Betroffenen gilt, egal ob Siemens AG, Tochtergesellschaft oder ein aus dem Ausland geführtes Unternehmen. Das ist schon eine kleine Sensation. Auch dass die Ausbildungsquote bei fünf Prozent festgeschrieben wurde, ist ein großer Erfolg.

Ausbildungsquote 5 Prozent - eine gute Quote?

Bettina Haller: Die Ausbildungsquote liegt im Bundesdurchschnitt bei etwa sieben Prozent. Natürlich variiert diese Zahl je nach Branche. Wir können mit dem Ergebnis bei Siemens insgesamt also sehr zufrieden sein. Die Firmenleitung wird zukünftig jährlich mit uns zusammenkommen, um über die Ausbildungszahlen zu beraten. Uns geht es darum, die Qualität der Ausbildung langfristig zu sichern.

Marathon statt Spaziergang

Der Geltungsbereich ist der gesamte Konzern, war das schwierig zu erreichen?

Rüdiger Skrobarczyk: Die Verhandlungen und die gemeinsamen Vorbereitungen waren kein Spaziergang. Wir haben uns gut vorbereitet und sehr gut aufgestellt. Vom 6. bis zum 9. April haben wir in einem Verhandlungsmarathon in Hamburg das hervorragende Ergebnis erreicht.

"Manchmal muss man jemanden dumm und dösig reden"

Ihr habt viele einbezogen in den Prozess der Erarbeitung der Ausbildungsvereinbarung - war das erfolgreich oder nur kompliziert?

Rüdiger Skrobarczyk: Tatsächlich war das eine ungewöhnliche Vorgehensweise. Wir haben alle Betroffenen eingebunden, so dass insgesamt etwa 80 Kolleginnen und Kollegen beteiligt waren, die einen Fragenkatalog mit 74 Themen erstellt haben. Die Firmenseite war im Vorfeld etwas misstrauisch und ablehnend. Manchmal muss man, auf hamburgerisch gesagt, jemanden dumm und dösig reden, bis er begreift, dass es sinnvoll ist. Das Feedback aus der Gruppe hat bei den Verhandlungen sehr geholfen und wir haben gemeinsam das Ergebnis erreicht.

Ihr habt auch Teile der Ausbildung nicht retten können - welche sind das?

Bettina Haller: Wir konnten nicht verhindern, dass die Technik Akademie in München geschlossen wird und es zu einer Teilverlagerung von einigen Ausbildungsgängen aus Paderborn kommt. Allerdings konnten Essen als Ausbildungsstandort und die Werkberufschule Berlin gerettet werden.

Koordinationsteams an allen Standorten

An allen Ausbildungsstandorten solle es Koordinationsteams geben - was muss man sich darunter vorstellen?

Rüdiger Skrobarczyk: An allen Standorten mit Siemens AG Betrieben und Tochtergesellschaften werden sogenannte Koordinationsteams gebildet. Sie sollen auch an Standorten, wo die betriebsverfassungsrechtlichen Gremien des GBR oder KBR nicht gegeben sind, zumindest für einen Informationsaustausch aller Beteiligten sorgen.

Einmal im Jahr ein großes Meeting in Sachen Ausbildung der Betriebsräte und JAVis - das ist doch auch was Neues?

Bettina Haller: Es gab bereits 2009 ein solches Zusammentreffen, dies aber schon vor dem Hintergrund der beginnenden Konzentration der Ausbildung bei Siemens in Deutschland. Mit der neuen Vereinbarung haben wir dieses jährliche Treffen nun für die folgenden Jahre verbindlich festlegen können. Das bedeutet auch eine Konzentration in Sachen Kommunikation. In Hamburg haben wir das ja schon sehr gut hinbekommen.