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21.05.2024, 19:05 Uhr

Schönreden hilft nicht

  • 17.02.2010
  • Allgemein

Es ist wie immer, wenn der Ausbildungspakt zwischen Bundesregierung und Wirtschaft Bilanz zieht: Die Beteiligten präsentieren demonstrativ zufrieden eine beruhigende Erfolgsmeldung mit der Kernaussage, dass alles bestens ist und ergo kein Handlungsbedarf besteht. Kritiker hingegen werfen dem Pakt vor, die wahre Situation systematisch zu verschleiern.

Ausbildungsplatzangebot weiter in steilem Sinkflug

In der Tat räumt selbst das Bundesbildungsministerium in seiner <link http: www.bmbf.de press _blank external-link-new-window>undefinedPressemitteilung vom 10. Februar basierend auf einer Prognose des Bundesinstituts für Berufsbildung ein, dass im Herbst 2010 rund 20.000 Ausbildungsplätze weniger zur Verfügung stehen werden als 2009. Das Angebot in Betrieben und Verwaltung würde damit auf 563.000 Plätze zurückgehen, nachdem schon im vergangenen Jahr ein Minus von 8,2 Prozent zu verbuchen war.

Demonstrativer Optimismus

Bildungsministerin Annette Schavan diagnostizierte bei einem Treffen von Bundesregierung und Wirtschaft zum Ausbildungspakt vergangene Woche in Berlin dennoch unbeirrt, das deutsche Ausbildungssystem erweise sich in der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise als "relativ stabil." Den an sich alarmierenden Rückgang der Ausbildungsplätze bezeichnete sie dabei als "verkraftbar", da gleichzeitig die Nachfrage demografiebedingt weiter sinkt. Das kann man auch anders ausdrücken: Der Ausbildungspakt verhindert den steten Rückgang des Angebots zwar nicht, aber die Demografie federt die schlimmsten Folgen ab. Das Fazit des Pakts strahlt dennoch Optimismus aus: "Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt ist besser als man angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise erwarten konnte."

"Schönreden hilft nicht"

... betitelt angesichts dieser Darstellung der Deutsche Gewerkschaftsbund seine <link http: www.dgb.de presse pressemeldungen pmdb external-link-new-window>undefinedStellungnahme. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock betont, die Krise habe den Ausbildungsmarkt "längst erfasst". 2009 wurden rund 50.000 Ausbildungsverträge weniger abgeschlossen als im Vorjahr, und trotz des demografischen Rückgangs suchen noch 83.000 Jugendliche suchen trotz des demographischen Nachfragerückgangs noch eine Ausbildung"erklärte sie am Mittwoch in Berlin und forderte: "Wir brauchen deshalb dringend einen Schutzschirm für Ausbildung."

Zielgerichtete Zahlenspiele

Parallel verlangte sie zum wiederholten Mal, endlich eine ehrliche Ausbildungsstatistik vorzulegen. 73.456 Jugendliche, die in Warteschleifen stecken, würden vom Pakt als versorgt gezählt, obwohl sie ausdrücklich noch einen Ausbildungsplatz suchten, so die Kritik, dazu kommen unversorgte BewerberInnen aus den Optionskommunen. Die offizielle Statistik zählt junge AusbildungsbewerberInnen in "Warteschleifen" ebenso wenig mit wie solche, die mit einer gewissen Portion Willkür als nicht ausbildungswillig oder -reif eingestuft sind. Nähme man diese Gruppen mit in die Zahlen, schnellte die Anzahl der unversorgten BewerberInnen von den im Pakt verkündeten 4.400 auf tasächlich 83.000 unversorgte junge Menschen.