Siemens Dialog
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20.06.2024, 04:06 Uhr

Unwort des Jahres: "betriebsratsverseucht"

  • 19.01.2010
  • Allgemein

Seit 1991 wählt eine Jury aus öffentlich eingebrachten Vorschlägen mit dem Unwort des Jahres sprachliche Missgriffe, die im jeweiligen Jahr besonders negativ aufgefallen sind. Nach "überkapazitäre Mitarbeiter" im Jahr 2000 findet sich für 2009 mit "betriebsratsversucht" wieder einmal ein zynischer Begriff aus dem Arbeitsleben auf dem Siegertreppchen.

"Sprachlicher Tiefpunkt im Umgang mit Lohnabhängigen"

Die Aktion <link http: www.unwortdesjahres.org _blank external-link-new-window>undefinedUnwort des Jahres führt zu ihrer Entscheidung für das vergangene Jahr aus, der Begriff "betriebsratsverseucht" sei vom Mitarbeiter einer Baumarktkette in der ARD genannt worden. Er werde dem Bericht zufolge von Abteilungsleitern verwendet, wenn Kollegen aus einer Filiale mit Betriebsrat in eine ohne wechseln wollten. Der Sprecher der sprachkritischen Aktion, Horst Dieter Schlosser, erklärte am am Dienstag in Frankfurt: "Die Wahrnehmung von Arbeitnehmerinteressen 'stört' zwar viele Unternehmen, sie als 'Seuche' zu bezeichnen, ist indes ein zumindest sprachlicher Tiefpunkt im Umgang mit Lohnabhängigen." - dem ist aus Arbeitnehmersicht wohl nichts hinzuzufügen.

An der 19. Wahl zum "Unwort des Jahres" hatten sich 2. 018 Einsender mit insgesamt 982 verschiedenen Vorschlägen beteiligt. Am häufigsten unter ihnen war ein Begriff, der ebenfalls in ummittelbarem Zusammenhang mit Wirtschaft und Beschäftigung steht: "Wachstumsbeschleunigungsgesetz". Im Jahr 2001 hatte die Jury den Begriff "überkapazitäre Mitarbeiter" gewählt, weil er zu entlassende ArbeitnehmerInnen auf rein betriebswirtschaftliche Größen reduzierte.