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15.06.2024, 01:06 Uhr

Hürdenlauf Berufseinstieg

  • 13.09.2010
  • Allgemein

"Viele Hürden vor dem ersten sicheren Job" - so überschreiben Wissenschaftler die Ergebnisse einer Untersuchung darüber, wie sich derzeit der Berufseinstieg vieler junger Menschen gestaltet. Haben sie es ohnehin schon schwer genug, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen, hat die Wirtschaftskrise die Schwierigkeiten noch vergrößert.

Vom Praktikum in die Leiharbeit

Wie Dr. Thomas Langhoff, Professor an der Hochschule Niederrhein, gemeinsam herausgefunden haben, waren im Jhar 2007 fast 40 Prozent aller LeiharbeitnehmerInnen unter 30 Jahre alt, während ihr Anteil  unter allen Beschäftigten in Deutschland weniger als ein Viertel ausmacht. Das selbe Bild ergibt die Betrachtung junger Erwachsener unter 25, von denen gleichfalls knapp 40 Prozent atypische beschäftigt sind, also in Leiharbeit, Teilzeit oder Befristetung.

Schwierigkeiten mit Langzeitfolgen

Diese Probleme am Berufseinstieg wirken lange nach, wie die Forscher in den WSI Mitteilungen der <link http: www.boeckler.de _blank external-link-new-window hbs>undefinedHans Böckler-Stiftung erklären. Langhoff konstatiert insgesamt "eine Zunahme erlebter Unsicherheit und Ungleichheit" mit möglicherweise besorgniserregenden Auswirkungen für die Zukunft der Betroffenen.

Arbeitslos, nicht übernommen ...

Die Arbeitslosigkeit ist unter jungen Menschen von 15 bis 25 seit Krisenbeginn dreimal so stark gestiegen wie in anderen Altersgruppen. Die Quote liegt deutlich über der Arbeitslosenquote insgesamt, wobei Jugendliche auf Ausbildungsplatzsuche oder in berufsfördernden noch gar nicht berücksichtigt sind.

Im untersuchten Zeitraum haben 600.000 Berufsanfänger mindestens ein Praktikum abgeleistet, wobei deren Großteil nach Auffassung der Wissenschaftler wegen keiner oder zu geringer Vergütung als prekär zu bezeichnen ist. Die Ausbildungslage hingegen entspannt sich zwar mit rückläufigen Schulabgängerzahlen, aber nach der Ausbildung kommt unter Umständen gleich die nächste Hürde: 2007 wurden 40 Prozent der Ausgebildeten nicht übernommen - anstelle des normalen Berufseinstiegs folgte oft Arbeitslosigkeit oder atypische, prekäre Beschäftigung.

.... befristet oder Leiharbeiter

Zunehmend erfolgt der Einstieg in die Beschäftigung auf befristeten Stellen. Die Forscher machen als eine Folge der Krise die Praxis vor allem großer Unternehmen aus, neue Verträge zeitlich zu begrenzen. Ob es danach zur Festanstellung kommt, ist meist fraglich, denn nur 23 Prozent der qualifizierten Jugendlichen gelang dieser Schritt in eine stabile Beschäftigung.

Bei der Leiharbeit zeigt sich die besorgniserregende Situation besonders stark. Über 50 Prozent der der Leiharbeiter ist unter 35 Jahre als, fast 40 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten unter 30 waren 2007 bei einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt. Langhoff weist darauf hin, dass sie sich dadurch oft "strukturell ausgegrenzt" fühlen und unter besonderem Druck stehen. Studien zufolge sind psychische Erkrankungen der häufigste Grund für eine Krankschreibung von Leiharbeitern - und das, obwohl angenommen wird, dass sie in der Hoffnung auf eine mögliche Übernahme oft trotz gesundheitlicher Probleme zur Arbeit gehen.