Siemens Dialog
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19.06.2024, 22:06 Uhr

Je jünger, desto prekärer

  • 19.10.2010
  • Allgemein

Eine Untersuchung von TNS Infratest Politikforschung im Auftrag der IG Metall zur beruflichen Situation junger Menschen bestätigt die Befürchtungen: Der konjunkturelle Aufschwung geht an der jungen Generation weitgehend vorbei. Trotz Überwindung der Krise prägen prekäre Arbeitsverhältnisse - Leiharbeit, befristete Jobs und Praktika - zunehmend ihre Lebens- und Arbeitssituation.

TNS Infratest befragte für die repräsentative Studie 14- bis 34jährige, um ihre aktuellen Einstellungen, Ängste und Erwartungen zu beruflicher Situation und Perspektive zu ermitteln. Dabei wurden auch gesellschaftliche beziehungsweise politische Forderungen an die Politik erfasst.

Ausgebremst trotz Aufschwung

Die am Montag von der IG Metall in Frankfurt vorgestellten Ergebnisse sind alarmierend. Die junge Generation ist von prekären Arbeitsverhältnissen schon seit längerem überproportional betroffen. Diese Entwicklung nimmt weiter zu, so dass Prekarisierung zu einer entscheidenden Erfahrung für die Betroffenen wird. Sie beginnt mit einem immer schwierigeren Berufseinstieg und führt in ein labiles Erwerbsleben in prekärer Beschäftigung. 54 Prozent der Erwerbstätigen unter 25 Jahren arbeiten in solchen Arbeitsverhältnissen - neun Prozent mehr als im Krisenjahr 2009.

Auf dem Weg in die Langzeitarbeitslosigkeit

Exemplarisch für die Entwicklung ist die Leiharbeit, von der Jugendliche in besonders hohem Maß betroffen sind. Der sogenannte "Klebeffekt", also die oft behauptete Einstiegsfunktion in eine feste Beschäftigung, bleibt dabei die Ausnahme; entsprechende Fälle nehmen weiter ab. Die sozialen Sicherungssysteme greifen gerade bei jungen Erwerbslosen nur schwach: Fast die Hälfte der Arbeitslosen unter 35 Jahren bezieht das Arbeitslosengeld II und befindet sich auf dem Weg in die Langzeitarbeitslosigkeit.

Schlechte Perspektiven ...

Die Einstellung der jungen Generation zur gesellschaftlichen und persönlichen Zukunftserwartung wird vor diesem Hintergrund trotz Überwindung der Krise nur marginal besser. Insgesamt hat die Zuversicht in eine gute individuelle Zukunft zwar leicht zugenommen, eine positive Perspektive jedoch stellen insbesondere Hauptschulabsolventen und jungen Menschen mit Migrationshintergrund deutlich in Frage.

... und Enttäuschung über die Politik

Großer Unmut herrscht angesichts dieser Situaton über den "Einfluss des Geldes" auf politische Entscheidungen. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit der Wirtschaftskrise erwarten die Betroffenen eine deutlich stärkere Kontrolle durch Politik und lehnen die Entscheidungen der Bundesregierung zu Sparpaket, Rente mit 67 und Gesundheitsreform mehrheitlich ab.

Topthema der IG Metall

Die IG Metall macht die Lebens- und Arbeitsbedingungen der jungen Beschäftigten auf betrieblicher und gesellschaftlicher Ebene zum Topthema, nicht nur in ihren Aktivitäten in diesem Herbst. Mit tarifvertraglichen und betrieblichen Vereinbarungen wird für die Übernahme von Ausgebildeten und Leiharbeitern in Festanstellungen gekämpft; parallel wird der Druck auf die Politik erhöht, die entsprechenden Rahmenbedingungen konsequent zu verbessern.