Siemens Dialog
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14.06.2024, 23:06 Uhr

Befristet ohne Ende

  • 25.03.2010
  • Allgemein

Vergangene Woche wurde wieder einmal amtlich, was Gewerkschaften und andere Arbeitnehmerorgansiationen schon lange kritisieren: Neben dem Anstieg anderer prekärer Beschäftigungsverhältnisse explodiert auch die Anzahl befristeter Arbeitsverträge - fast jeder zweite ist laut Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mittlerweile befristet.

Vor allem Berufseinsteiger müssen sich oft mit einer Anstellung auf Zeit begnügen. Das <link http: www.iab.de de ueberblick.aspx _blank external-link-new-window>undefinedIAB wird mit dem besänftigenden Hinweis zitiert, viele Unternehmen würden eben gern einen neuen Mitarbeiter "kennenlernen und ausprobieren, bevor sie ihn dauerhaft beschäftigen"; warum dazu die bewährte Probezeit von in der Regel sechs Monaten nicht mehr ausreichen soll, bleibt allerdings offen.

Zuckerbrot und Peitsche

Von 32 Prozent befristeter Arbeitsverhältnisse im Jahr 2001 ist die Summe im ersten Halbjahr 2009 auf 47 Prozent emporgeschnellt, bestätigte das IAB auf Nachfragen, die ein Bericht der "Süddeutschen Zeitung" ausgelöst hatte (siehe Grafik). Betroffen sind offenbar vor allem, aber nicht ausschließlich, jüngere Beschäftigte und Berufseinsteiger. Der Effekt für die Betroffenen liegt auf der Hand: Die ersehnte Verlängerung oder Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis wird zum Zuckerbrot vor der Nase, die ständige Sorge um ein mögliches Ende der Beschäftigung zur Peitsche dazu.

Gesetzliche Regelungen weiter aufweichen?

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (<link http: www.boeckler.de _blank external-link-new-window>undefinedWSI) der Hans Böckler-Stiftung befürchtet angesichts der Zunahme von Befristungen und einiger weiterer Indikatoren, es werde in Zukunft immer mehr zu unbegrenzten "Kettenbefristungen" kommen. Hintergrund dieser Annahme sind Bestrebungen der großen Koalition und dort insbesondere der FDP, die gesetzlichen Regeln für Befristungen unter dem stets gern herbeigeredeten Deckmäntelchen größerer Flexibilität weiter aufzuweichen. So sollen unbegrenzt häufige befristete Arbeitsverträge mit demselben Arbeitgeber ohne Sachgrund wieder ermöglicht werden, wenn zwischen zwei Einsätzen eine Frist von einem Jahr liegt.