Siemens Dialog
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20.06.2024, 03:06 Uhr

Frankenthal: Standort nicht kampflos aufgeben

  • 13.10.2015
  • Operativ

Bei Siemens Turbomachinery Equipment in Frankenthal formiert sich der Widerstand gegen die Verlagerungs- und Abbaupläne des Managements. Nach Einschätzung von Betriebsrat und IG Metall beruht die Entscheidung, den Standort zur Disposition zu stellen, mangels Berücksichtigung standortspezifischer Erkenntnisse auf "unterirdischen" Argumenten.

Produktion in Frankenthal: Kampflos wird der Betrieb nicht aufgegeben!

Der Betriebsrat fasst die Ereignisse seit Bekanntgabe der Firmenpläne am 7. Oktober und die Position der Arbeitnehmerseite zusammen:

• In der sehr emotionalen Mitarbeiterversammlung war klar zu erkennen, dass die "Entscheider" zu dem Standort weder fundiertes Wissen noch Detailkenntnisse hatten und somit auf die Sachfragen der Mitarbeiter nicht antworten konnten. Die Kollegen sind wütend und haben dies auch zum Ausdruck gebracht. Sie fühlen sich vom Konzern völlig im Stich gelassen, wenn beim kleinsten Husten schon eine große Krise ausgerufen wird, nachdem jahrelang dicke Gewinne abgeschöpft wurden.

• Ein Konzept war nicht erkennbar. Synergien, die es in Frankenthal gibt, wie zum Beispiel ein selbst entwickeltes und gemeinsam genutztes Getriebe von Turbinen und Verdichtern, waren nicht bekannt und könnten bei einer Trennung nicht mehr genutzt werden.

Eine so weitreichende Entscheidung für einen Standort den Mitarbeitern mit allgemeinen Markterkenntnissen beziehungsweise Marktannahmen und Entwicklungen der PG DR zu präsentieren und nicht denen des Standortes selber ist unterirdisch. Mit den aktuellen wirtschaftlichen Zahlen, die für den Standort nach wie vor positiv sind, wäre die Entscheidung gegenüber den Mitarbeitern viel schwieriger zu begründen.

• Wir befürchten, dass die Turbine in Brno nur an die Wand gefahren werden soll, damit sie nicht als Konkurrenz bestehen bleibt. Eine Verlagerung nach Brno kann nur funktionieren, wenn auch das Know How aus den Bürobereichen dort aufgebaut bzw. dorthin verlagert wird. Das aber kann und wird nicht geschehen, da die Mitarbeiter aus Frankenthal wohl nicht nach Brno umziehen werden und dort auch kein Stellenaufbau geplant ist.

• Beim Service ist keine klare Linie zu erkennen. Im Wirtschaftsausschuss gab es die Information, es sei eine strategische Entscheidung, den Service dem Neubau folgen zu lassen. Keine 20 Stunden später wurde diese Entscheidung in der Aufsichtsratssitzung der STE wieder revidiert, um sie dann in der Infoveranstaltung völlig offen zu lassen.

Wir befürchten bei einer Verlagerung des Turbinenneubaus und der zugehörigen Fertigung eine massive Verschlechterung beim Service, da Ersatzteile dann ausschließlich bei Externen bestellt werden müssten und somit der schnelle Zugriff auf Ersatzteile nicht mehr gegeben wäre.

• Dieses aus unserer Sicht nicht durchdachte Konzept des Siemens-Vorstandes sollte im Sinne aller Arbeitnehmer in Frankenthal schnellstens vom Tisch.

• Der Betriebsrat hat einen Tag nach der Mitarbeiterinformation die lokale und überregionale Presse sowie die Kommunal- und Landespolitik informiert. Hier gibt es natürlich breite Unterstützung für das Bestreben des Betriebsrats die Arbeitsplätze zu erhalten, da der Wegfall ein herber Verlust für die Region wäre.

Nun gilt es von allen Seiten Druck aufzubauen, um diesen Kahlschlag zu verhindern. Der Betriebsrat sieht in den vorgeschlagenen Maßnahmen - ein Produkt weg, das andere für den Verkauf profitabel gemacht - den Standort gefährdet. Wir sehen eine wirkliche Zukunft nur mit beiden Produkten. Kampflos werden wir diesen Standort ganz sicher nicht aufgeben!


<link http: www.rheinpfalz.de nachrichten titelseite artikel der-standort-waere-gefaehrdet _blank>» Bericht vom Pressegespräch mit Betriebsrat und IG Metall auf "Rheinlandpfalz.de"