Siemens Dialog
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20.06.2024, 04:06 Uhr

"Keine Grauzone, keine Kompromisse"

  • 09.11.2007
  • Allgemein

"Phantastisch" geht's Peter Löscher nach eigenem Bekunden auf Nachfrage eines Journalisten der Jahrespressekonferenz, wie sich der erste externe CEO des Konzerns denn nun so fühle. Daran kann offenbar auch nichts ändern, dass man zum selben Anlass neben soliden Ergebnissen auch einige weniger erfreuliche Dinge bekanntzugeben hatte - Transparenz ist eben Trumpf.

Peter Löscher darf zufrieden sein mit seiner ersten Jahrespressekonferenz. Sachfragen beantwortete er routiniert und im Einklang mit bereits bekannten Informationen über die bevorstehenden Veränderungen; Drängen auf Details etwa zu den Konsequenzen für die Stellenanzahl wies er gelassen mit dem Hinweis zurück, er nehme nicht an Spekulationen teil; hartnäckiges Bohren fertigte er schon mal mit knapp ab, dies habe er bereits so weit erläutert, wie er das zum jetzigen Zeitpunkt tun wolle.

Wenig neues, aber überzeugend verkauft

Und so gab es außer den guten Zahlen (siehe Alle Bereiche verbessert) eigentlich kaum wirklich neues oder gar überraschendes zu erfahren. Statt dessen ging man mit klug kalkulierter Offenheit auf das zweite Kernthema, die Compliance, ein. Im Wust der Presseunterlagen ging anfänglich weitgehend unbemerkt unter, dass sich die Summe verdächtiger Zahlungen an Berater auf 1,3 Milliarden Euro mehr als verdoppelt hat. Als dies sowie die zusätzlichen Kosten für Ermittlungen und Steuernachzahlungen samt Zinsen dann doch aufgegriffen wurde, reagierten Löscher, Joe Kaeser und Peter Solmssen einstimmig mit dem einzig überzeugenden Tenor: unbestreitbar äußert unerfreulich, finanziell sehr ärgerlich, aber angesichts der festen Entschlossenheit zum Aufräumen nun einmal unvermeidlich.

Zero Tolerance

Dazu gehört unter anderem, dass 470 Mitarbeiter wegen Unregelmäßigkeiten belangt und in 14 Prozent der Fälle Korruption oder andere Verstöße nachgewiesen wurden. Da muss man eben durch: "Unsere Haltung bei dem Thema Compliance erlaubt keine Grauzone und keine Kompromisse."

Das gilt auch für die unbequeme, aber durchaus berechtigte Nachfrage, wie man denn mit dieser Haltung dort im Wettbewerb bestehen wolle, wo ohne etwas Schmierung einfach kein Geschäft zu holen sei: "Nachhaltige Geschäfte sind nur saubere Geschäfte. [...] Wir müssen die besten Geschäfte machen, und das sind die sauberen Geschäfte. Natürlich müssen wir da auch von gewissen Geschäften Abstand nehmen."

Die Margen wachsen, alles andere wird schlanker

Auf die bevorstehende Umstrukturierung mochten Löscher und seine Kollegen generell nicht näher eingehen, verrieten aber doch das eine oder andere: Die Margen werden weiter erhöht, überall soll der Abstand auf die Wettbewerber schrumpfen; konkrete Zahlen gibt es jedoch erst für Med (14-17 statt wie bisher 13-15%). Was dieser Druck für hinterherhinkende Geschäfte bedeutet, wird sich erst in Zukunft erweisen. Die Verwaltungskosten sollen überall kräftig sinken, zumal man Siemens durch den "tiefgreifenden Umbau" ohnehin "transparenter, fokussierter, schneller" machen will.

NSN bleibt...

Aufatmen darf man trotz eines Verlustanteils von über 400 Millionen Euro bei Nokia Siemens Networks: "Wir haben keine Absicht, Nokia Siemens Networks zu verkaufen. Wir stehen zu diesem Geschäft und wollen es weiter entwickeln." Ein so klares Statement gibt es sonst selten, wie gleich darauf die Aussage zu Fujitsu Siemens Computers zeigt : "Die Rendite ist unbefriedigend."

... und Erlangen erst recht

Last but not least dürfte Löscher die Herzen der Erlanger Beschäftigten erwärmt haben. Ein Umzug nach München oder gar Berlin ist im Zuge der Konzentration auf drei Sektoren nicht vorgesehen: "Erlangen ist die Seele von Siemens. [...] Es gibt keinerlei Überlegungen zu irgendwelchen Verlagerungen." Vielleicht geht es nach soviel Zuwendung wieder mehr Siemensianer so wie ihrem neuen Vorstandschef: "Ich bin unheimlich stolz, Teil dieser wunderbaren Organisation zu sein."