Siemens Dialog
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17.07.2024, 13:07 Uhr

Arroganz statt Kompetenz

  • 02.02.2011
  • Konzern

Bei der ehemaligen Siemens-Tochter mdexx in Bremen kam die Belegschaft vergangenen Donnerstag wieder einmal sehr gespannt zur Betriebsversammlung: Die Geschäftsleitung hatte sich angemeldet, um ihre Position im Tauziehen um eine Aufspaltung des Betriebs darzustellen. Deren Begründung mit einem angeblich unumgänglichen Umzug stößt auf wachsende Skepsis nicht nur bei den Arbeitnehmern.

Mdexx-Betriebsgebäude - bald leer oder neu vermietet?

Ungereimte Umzugspläne

Das mdexx-Management stellt den Umzug an zwei getrennte Standorte seit Bekanntgabe der Pläne als alternativlos dar. Der Betriebsrat allerdings, durch seine Erfahrungen in früheren Auseinandersetzungen stets auf der Hut, sah sich die Sachlage genauer an. Dabei stieß er schnell auf Ungereimtheiten (siehe Mdexx - "spalten und zerschlagen"), die einen unerfreulichen Verdacht wecken: Die Aufspaltung könnte der Startschuss für weitere Zerschlagungs- oder Verlagerungsvorhaben sein.

Geschäftsführer ferngesteuert?

Vor diesem Hintergrund war die Stimmung zur Betriebsversammlung gespannt und erwartungsvoll. Die Geschäftsführung allerdings konnte nicht mit nachvollziehbaren Klarstellungen dienen und bestätigte so erneut die Einschätzung des Betriebsrats. Dessen Vorsitzender Herbert Strosetzky ist sich mittlerweile sicher: "Unsere Geschäftsführer hier haben praktisch keine Entscheidungskompetenz und werden ferngesteuert".

Dessen ungeachtet treten die Manager vor Ort mit an Arroganz grenzendem Selbstbewusstsein auf. Der Personalchef etwa "dankte" zu Beginn der Betriebsversammlung dem Betriebsrat dafür, einen der Geschäftsführung passenden Termin gefunden zu haben - und das, nachdem sich in der Vergangenheit trotz wochenlanger Ankündigungsfrist nie einer ihrer Vertreter bei den Versammlungen blicken gelassen hatte.

Abweichende Darstellung zum Senat ...

Auch inhaltlich konnte der Personalchef nicht gerade dazu beitragen, das Misstrauen in der Belegschaft zu zerstreuen. Man habe in Bremen eben kein passendes Objekt gefunden, wiederholte er erneut. Diese Begründung sorgt mittlerweile zunehmend für Irritationen bei der Wirtschaftsförderung des Bremer Senats, der mdexx seit Monaten geeignete Objekte anbietet und damit auf Ablehnung stößt. Jetzt erschien sogar Wirtschaftssenator Martin Günthner persönlich zur Versammlung, um die Bemühungen des Senats zu erläutern - doch laut Aussage der Personalchefs im "Weser Kurier" (01.02.2011) will die Firma sich darauf nicht verlassen.

... und zu Siemens

Starke Zweifel gibt es obendrein an der Behauptung, der frühere Eigentümer und jetzige Vermieter Siemens hätte den Pachtvertrag für das derzeitige Betriebsgrundstück kompromisslos gekündigt. Der Belegschaft und dem Betriebsrat nämlich versicherte Siemens schriftlich (siehe Link SiemensI-mdexxBR.pdf), der bestehende Mietvertrag über das Grundstück sei zunächst bis 2014 befristet; Industry-CFO Miguel-Angel Lopez bestätigte das Strosetzky nochmals telefonisch. Der Personalchef stellte auf der Betriebsversammlung diese Aussage allerdings in Frage.

Dem Fazit eines "taz"-Berichts über den Vorgang vom ersten Februar ist da wohl nichts hinzuzufügen: "Die Geschäftsführer sind offenkundig nicht befugt, selbst zu entscheiden. Das Fehlen von Kompetenz überspielt man gern durch Arroganz."