Siemens Dialog
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23.05.2022, 17:05 Uhr

Siemens mahnt Nokia Siemens Networks

  • 12.03.2012
  • Konzern

Siemens-CFO Joe Kaeser geht im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" ausführlich auf den Konflikt beim Joint Venture Nokia Siemens Networks ein. Obwohl er konkrete Zusagen sorgfältig vermeidet, wird deutlich: Siemens will eine insgesamt tragfähige Lösung und "wird es jedenfalls nicht ohne weiteres hinnehmen, dass NSN aus München so einfach verschwindet".

NSN-Demonstration vor der Siemens-Zentrale am 28. Februar 2012.

Im der Wochenendeausgabe der "SZ" bestätigte Kaeser zwar grundsätzlich die Einschätzung, dass "in diesem martialischen Verdrängungswettbewerb" der Telekommunikationsbranche "leider auch die Konsolidierung von Arbeitsplätzen und Standorten notwendig" sei. An der Umsetzung bei NSN allerdings übt er trotz diplomatischer Formulierungen unverhohlene Kritik - es wird offensichtlich, dass es Siemens allmählich reicht.

Rasenmäher reicht nicht

Dass ein derart massiver Stellenabbau wie bei NSN geplant etwa zu mangelndem KnowHow führen kann, nennt Kaeser "immer eine begründete Sorge" und führt ohne Umschweife aus: "Wer glaubt, einfach nur Kostensenkungen durch den Abbau von Arbeitsplätzen zu erreichen, begeht meistens eine fatale Fehleinschätzung." Siemens und Nokia haben daher das NSN-Management seiner Darstellung nach in die Pflicht genommen, entsprechend präzise Begründungen vorzunehmen.

"Gute Manager müssen Lösungsalternativen suchen"

Glasklar wird die Kritik an der Darstellung von NSN-CEO Rajeev Suri, die Schließung des Standortes München sei "alternativlos". Kaeser kontert: "'Alternativlos' ist vielleicht ein Begriff aus der Politik. Gute Manager müssen mit ihren Teams und Partnern immer nach Lösungsalternativen suchen; und für den Erhalt von zumindest einigen Arbeitsplätzen lohnt sich das allemal." Dass dies nur unter Einbeziehung der Arbeitnehmerseite geschehen kann, steht offenbar für ihn fest: "Es wird jetzt wirklich Zeit, dass sich das NSN-Management und die Arbeitnehmervertreter zusammensetzen und konstruktiv nach wirtschaftlich tragfähigen Lösungen für den Standort München suchen."

Auch für den anhaltenden und engagierten Widerstand der Beschäftigten zeigt Kaeser Verständnis. Er selbst hat sich bekanntlich bereits mit deren Vertretern getroffen und ist der Ansicht: "Die Mitarbeiter haben ein moralisches Recht darauf, dass man ihnen zuhört"; gleichzeitig nutzt er dies allerdings für den Hinweis, Siemens habe nun einmal nicht die Führung im Joint Venture und könne deshalb faktisch wenig Einfluss nehmen.

NSN kann nicht einfach aus München verschwinden

Auf die konkrete Frage festgelegt, ob es Hoffnung für den Standort München gibt, antwortet Kaeser dementsprechend zwar letztlich unverbindlich, aber dennoch sehr deutlich: "Siemens wird es jedenfalls nicht ohne weiteres hinnehmen, dass NSN aus München so einfach verschwindet." In diesem Zusammenhang gibt er auch eine Erfahrung aus dem eigenen Haus an das NSN-Management weiter: "Die IG Metall hat bei Siemens bewiesen, dass sie nicht nur hart, sondern auch konstruktiv und lösungsorientiert verhandeln kann."

Harsche Kritik gibt es auch für das, was Arbeitnehmervertreter und IG Metall  bei NSN längst als Kommunikationsdesaster bezeichnen. Auf die Frage, wann denn eine Lösung zu erwarten sei, antwortet Kaeser: "So schnell wie möglich, das Ganze dauert schon viel zu lange. Die Restrukturierung hat NSN im November bekanntgegeben, Ende Januar wurde sie dann regional aufgeschlüsselt. Jetzt haben wir März, und der einzelne Beschäftigte weiß immer noch nicht, ob er seine Stelle verliert und wie es weitergeht. Es ist nicht zumutbar, dass die Mitarbeiter weiter in Unsicherheit leben, und NSN muss sich schnell wieder auf die Kunden und die Wettbewerber konzentrieren."

Einen letzten Rüffel schließlich handelt sich NSN zu seinen anhaltend erfolglosen
Versuchen ein, den hehren Geschäftszielen des Anfangs wenigstens einmalerkennbar näher zu kommen. Restrukturierungen und darauf basierende Prognosen gab es bekanntlich mehr als genug - "Ja, an Geschäftsplänen hat es bei NSN nie gemangelt" - aber "tatsächlich gab es bei NSN immer wieder Defizite in der Umsetzung". Es folgt ein klarer Auftrag: "Das muss sich jetzt ändern." [... ] Wichtig ist nun, dass Kunden und Mitarbeiter wieder volles Vertrauen fassen. Nicht die Mitarbeiter sollen Angst haben, sondern die Konkurrenten."


Das vollständige Interview erschien in der Print-Ausgabe der "SZ" vom 10./11.03.2012.

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