Siemens Dialog
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20.06.2024, 05:06 Uhr

Mdexx an Investoren verkauft

  • 19.12.2008
  • Konzern

"A Siemens Company" steht bislang stolz auf der Internetseite der im Jahr 2004 ausgegliederten Tochter mdexx. Das dürfte sich in Kürze ändern: Nach langer Ungewissheit für die Beschäftigten gab Siemens am Mittwoch den Verkauf an ein Investorenkonsortium bekannt.

Siemens teilte am Mittwoch in München mit, seine Tochter <link http: www.mdexx.de de mdexx home.html _blank external-link-new-window>mdexx Magnetronic Devices GmbH & Co KG an ein Investorenkonsortium verkauft zu haben. Es besteht aus der <link http: www.cgs-management.com _blank external-link-new-window>CGS Management (80 Prozent, Schweiz), CRG <link http: www.crgcapitalinc.com our_programs.htm _blank external-link-new-window>Capital Resource Group (10 Prozent, USA/Östereich) sowie drei bisherigen mdexx-Geschäftsführern, die im Unternehmen bleiben und sich ebenfalls mit zehn Prozent beteiligen; über den Kaufpreis wurde wie üblich Stillschweigen vereinbart.

Für die Beschäftigten endet damit zwar eine lange und schwierige Phase der Ungewissheit, die damit verbundenen Sorgen sind jedoch längst nicht alle vom Tisch. Vorausgegangen war ein Versteckspiel, für das sich der Siemens-Vertreter bei einer Betriebsversammlung am Donnerstag entschuldigte. Siemens hatte die Identität des Käufers und andere wichtige Informationen zum Verkauf unangemessen lange geheim gehalten, was der Betriebsrat als Verstoß gegen <link http: www.gesetze-im-internet.de betrvg __106.html _blank external-link-new-window>undefined§ 106 des Betriebsverfassungsgesetzes (rechtzeitige und umfassende Information des Wirtschaftsausschusses) und damit als Compliance-Verstoß kritisiert.

Siemens stiehlt sich aus der Verantwortung

Irgendwelche Zusagen für Standort und Beschäftigung will oder kann Siemens offenbar trotz all dem nicht abgeben. Die Belegschaft bewertet den Verkauf vor diesem Hintergrund als Schritt, mit dem sich Siemens aus seiner Verantwortung stiehlt.

Daran ändert auch das Versprechen der neuen Geschäftsführung und Gesellschafter wenig, dass "alles bleibt wie es ist". Arbeitsplätze und Tarifverträge sollen demnach nicht in Frage gestellt werden; belastbare Garantien jedoch, wie es sie in der Siemens AG und bei anderen Konzernen gibt, wollen auch sie nicht abgeben. Ein Vertreter des Mehrheitsgesellschafters CGS versicherte lediglich, seine Gesellschaft agiere nicht wie eine "Heuschrecke" , sondern sei an einem langfristigen Engagement bei mdexx interessiert. Gleichzeitig sagte er IG Metall und Betriebsrat Gespräche über seine Zukunftspläne zu.

Arbeitnehmerseite vorbereitet

Unter dem Beifall der Belegschaft erklärten Betriebsrat und IG Metall ihrerseits, dass sie die neuen Gesellschafter beim Wort nehmen und genau darauf achten werden, ob ihre Versprechen wirklich eingehalten werden. Sollten Arbeitsplätze, Tarifverträge oder Besitzstände in Frage gestellt werden, sind die notwendigen Vorbereitungen bei mdexx in Abstimmung mit Vorstand, Bezirksleitung und Verwaltungsstelle der IG Metall sowie den Mitgliedern im Unternehmen schon getroffen: Eine betriebliche Tarifkommission ist gewählt und vom Ortsvorstand sowie der Delegiertenversammlung der IG Metall Bremen bestätigt.

Die Belegschaft zeigte auf Betriebsversammlung durch deutlichen Beifall, dass sie hinter der IG Metall und ihrem Betriebsrat steht und auch bereit ist, dafür aktiv einzutreten. Ein wirtschaftlicher Sachverständiger wird nun erst einmal die Auswirkungen des Gesellschafterwechsels prüfen und Vorschläge zur Abwehr möglicher Gefahrenen für die Beschäftigten entwickeln.