Siemens Dialog
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15.06.2024, 00:06 Uhr

"Meistens eine Leidenszeit"

  • 10.11.2008
  • Allgemein

Dass Siemens seit Jahren einzelne Geschäftsbereiche aus dem Unternehmen herausschneidet und abstößt, ist keine Neuigkeit. Was Arbeitnehmervertreter in der Mehrheit der Fälle kritisieren - den oft folgenden stufenweisen Abstieg bis hin zum Aus -, griff die "Welt am Sonntag" auf. Aktueller Anlass ist die Frage, wie es mit Fujitsu Siemens Computers nach dem Ausstieg Siemens' weitergeht.

Die "<link http: www.welt.de wams_print article2695193 die-verstossenen-toechter.html _blank external-link-new-window>undefinedWelt am Sonntag" stellte einleitend fest, kaum ein Konzern habe so viele Unternehmensteile verkauft wie Siemens und liefert das Ergebnis ihrer Recherche gleich mit: "Meist brach danach eine Leidenszeit an."

"Jämmerliches Dasein"

Am Beispiel des Weges eines Beschäftigten von Siemens über Infineon zu Qimonda und dem nun dort drohenden Ende seines Arbeitsplatzes zeigt der Bericht: "Tochterfirmen, die Siemens abstößt, fristen nach der Trennung von der Mutter oft ein jämmerliches Dasein. Sie bauen Tausende von Stellen ab, der Börsenkurs rauscht in den Keller, oder sie sind gleich ganz pleite wie BenQ, die einst stolze Handy-Sparte."

Siemens-Familie "ordentlich angekratzt"

Heinz Hawreliuk, der seit 1985 für die IG Metall im Aufsichtsrat der Siemens AG, bestätigt den Eindruck, dass der fortwährende "Carve Out" von Siemens-Bereichen Spuren hinterlässt: "Da ist Geborgenheit verloren gegangen. Die Siemens-Familie ist durch die Portfoliopolitik ordentlich angekratzt worden." Darüber hinaus kritisiert er den Verlust des Kontakts zum Endverbraucher, der mit dem Ende von Siemens Mobile endgültig wurde: "Der Rückzug aus dem Konsumentengeschäft wurde intern oft problematisiert."

"Aktion Tabula rasa"

"Im Zuge dieser Aktion Tabula rasa mussten binnen eines Jahrzehnts rund 200.000 Mitarbeiter die heile Siemens-Welt verlassen", stellt die "Welt am Sonntag" weiter fest. Wie es den vor allem seit 1998 anhaltenden Ausgliederungen anschließend ergeht, variiert von Fall zu Fall, wie der bayerische IG Metall-Bezirksleiter Werner Neugebauer erklärt: "Die verschiedenen Ausgliederungen und Verkäufe bei Siemens kann man nicht über einen Kamm scheren." Grundsätzlich würden die meisten Beschäftigten zwar lieber bei Siemens bleiben, wie es ihnen aber nach der Trennung tatsächlich ergeht, ist unterschiedlich, wie beispielsweise der Vergleich zwischen Wincor Nixdorf und BenQ Mobile zeigt.

Von 194.000 auf 131.000 in zehn Jahren

Auch wie sich die Ausgliederungsserie auf die Beschäftigtenzahlen in Deutschland auswirkt, rechnet die Zeitung vor: "Waren 1998 in Deutschland noch 194.000 Menschen bei Siemens beschäftigt, sind es heute 131.000" - interessante Zahlen angesichts Siemens' eigener Rechenweise, die wie gerade Siegfried Russwurm mit schöner Regelmäßigkeit einen Zuwachs vermeldet (siehe Einsparungen im Zielkorridor).

"Denkbar schlechte Voraussetzungen"

Werner Neugebauer kritisiert, den neuen Firmen fehle oft "auch die notwendige geschäftliche und finanzielle Ausstattung, um überlebensfähig zu sein." Einem Verkauf gehen meist bereits Einsparungen bei Investitionen voraus, zudem werden die besten Manager abgezogen, so die "Welt am Sonntag": "Denkbar schlechte Voraussetzungen also für einen Start unter neuer Flagge." Dass man sich spätestens seit dem BenQ-Desaster schon allein aus Image-Gründen um seriöse "Partner" für die Ausgliederungen bemüht, tut dem Abwärtstrend keinen Abbruch, aber: "Wir haben den Eindruck, dass Siemens aus diesen Desastern, die zudem das Image des gesamten Konzerns erheblich beschädigt haben, dazugelernt hat", erklärt Neugebauer und nennt als aktuelles beispiel Siemens Enterprise Communications.

Den vollständigen Artikel "Die verstoßenen Töchter" finden Sie <link http: www.welt.de wams_print article2695193 die-verstossenen-toechter.html _blank external-link-new-window>undefinedHIER auf den Seiten der "Welt am Sonntag".